Geschichte des Landeszeughauses

Das Zeughaus - diese weltweit größte, einmalige und international bekannte Sammlung kostbarsten, handwerklich perfekt und in seiner Weise „schön“ ausgeführten Gerätes in der Grazer Herrengasse - war und ist als Rüstkammer der steirischen Stände Symbol der Eigeninitiative und der Selbständigkeit der Landesbewohner, besonders in Zeiten der Not. Diesem Grundverständnis fühlen wir uns als Rotaryclub im übertragenen Sinn besonders verbunden, wenn wir wachen Geistes die gegenwärtigen Tendenzen zu verfolgen trachten und innovativ unseren Teil für eine bessere Zukunft leisten.

Das Landeszeughaus in Graz
(von Peter Krenn)

Das Landeszeughaus entstand in der Zeit der ersten Bedrohung durch die osmanischen Türken zu Ende des 15. Jahrhunderts. Damals beschloss man angesichts der ins Land einfallenden räuberischen Reiterhorden in Graz eine Form der Besteuerung, die auch die Truppenaushebung regeln sollte.
Fortan hatte der grundbesitzende Adel und Klerus des Landes für je 1oo Gulden der Einnahmen von seinen Untertanen einen bewaffneten Reiter zu stellen. Später waren nach dem selben Schlüssel auch drei Büchsenschützen aufzubringen. Die Anschaffung und Bereithaltung der dafür benötigten Waffen war Aufgabe der Landesregierung (Landstände) und sie legten ein Depot an, das anfangs im Arsenal des Landesfürsten nahe der Grazer Burg untergebracht war.
Nach Fertigstellung des Landhauses in der Herrengasse, dem prächtigen Regierungssitz der Stände, übersiedelte der Waffenbestand 1565 in dessen geräumige Dachböden und einige ebenerdige Gewölbe. 8o Jahre später musste dann wegen der inzwischen angewachsenen Masse des Kriegsmaterials das fünfgeschossige Zeughausgebäude neben dem Landhaus errichtet werden, in dem die Waffen bis heute gelagert werden.

Das älteste Inventar von 1557 verzeichnet 19.4oo Objekte, überwiegend Kugelmunition, schwere Hakenbüchsen und Schantzzeug. Mit den vermehrten Schutzaufgaben der Steiermark, die sich auch auf die Militärgrenze in Kroatien erstreckten, wuchs der vor allem aus Augsburg und Nürnberg sowie heimischen Werkstätten angekaufte Bestand gewaltig an und erreichte 1699, am Höhepunkt des Türkenkrieges, die Summe von 185.7oo Objekten.

Mehrere von den jeweiligen Zeugwarten angelegte Inventare geben uns genauen Aufschluss über diese Entwicklung und zeigen auch die Ordnung auf, mit der der vielfältige und wertvolle Schatz an Harnischen und Helmen, Feuerwaffen mit Zubehör, Schwertern, Degen und Säbeln, sowie Helmbarten und Spießen übersichtlich gelagert und gehängt war.

Mit dem Ende der Türkengefahr durch die Siege der Kaiserlichen Armee nach der erfolgreichen Entsetzung Wiens 1683 verlor das Zeughaus an Bedeutung. Das Land war nicht mehr unmittelbar gefährdet und auch die Militärgrenze wurde zum Hinterland. Im Kleinkrieg mit den ungarischen Kuruzzen 17o3-1711 fand das Landeszeughaus seine letzte umfassende Aufgabe als Ausrüster steirischer Tuppen.

Als 1749 die Kaiserliche Militärverwaltung reorganisiert wurde und eine Zentralisierung der Rüstungsaufgaben erfolgte, drohte dem Landeszeughaus die Auflösung.
Es ist den dringlichen Bitten der steirischen Stände zu verdanken, die auf die zurückliegenden Verteidigungsleistungen des Landes hinwiesen, dass die Regentin Maria Theresia entschied, den Steirern ihr altes Zeughaus zu belassen. Allerdings durfte es dem Aerar nicht mehr zur Last fallen. So begann man notgedrungen, die anfallenden Wartungskosten durch Abverkäufe aus den veralteten Beständen zu finanzieren.

Im 19. Jahrhundert, als eine kritische Geschichtsforschung sich herausgebildet hatte, wurde der große historische Wert der Zeughaussammlung erkannt und man bemühte sich durch Eingliederung in das seit 1811 bestehende Landesmuseum Joanneum, den noch vorhandenen Kernbestand an 32.ooo Stück verschiedenster Waffen zu erhalten. 1882 wurde die Sammlung öffentlich zugänglich gemacht und entwickelte sich bis in unsere Tage zur gefragtesten Museumssammlung des Landes, die Jahr für Jahr viele Interessierte veranlasst, nach Graz zu kommen.

Der über zwei Jahrhunderte lang in schwerer Zeit erfüllte Dienst zum Schutz des Gemeinwesens veranlasste die Gründer des RC Graz Zeughaus, sich nach dieser alten steirischen Institution zu benennen.